
photo : tricky ™
Der Weg ist das Ziel.
— Sprichwort
Wie wurde der Apfel, den du heute mittag in der Mittagspause verspeist hast, so schön schmackhaft rot und kräftig, knackig und voll süßer Säfte?
Hing der plötzlich von einem Tag auf den anderen am Ast deines Lieblings-Apfelbaumes? Ein mal kurz weggeschaut und plötzlich hängt, wo vorher nur ein paar Blätter wehten, mittendrin ein saftiger Apfel?
Das hättest du vielleicht gern.
Dumm nur, dass die Natur und ihre Wachstumsprozesse so nicht funktionieren. Wenn du also nicht zufälligerweise über einen magischen Zauberstab verfügst (hey, sag bescheid, ich könnte auch einen brauchen), dann ist dieses Szenario höchst unwahrscheinlich.
Viel wahrscheinlicher ist es hingegen, dass du deinen Apfelbaum über Jahre hinweg mühsam gepflegt hast, bis er endlich, nach langem Warten, diesen Sommer zum ersten mal ein paar Früchte trug. Du hast dich um ihn gekümmert, ihn bewässert und ausgeschnitten, ihn von Ungeziefer befreit und ihm vielleicht sogar ab und zu – wenn gerade niemand zusah – ein paar aufmunternde Worte zugeflüstert.
Genauso wie der Baum seine Zeit braucht, um zu wachsen und Früchte zu tragen, verhält es sich auch mit deinem Charakter.
Persönliches Wachstum braucht Zeit.
Es ist kein Ereignis, das von heute auf morgen eintritt. Es ist ein Prozess, ein Weg, den du jeden Tag neu betrittst und der nie aufhört.
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Die magische Pille existiert nicht
Übernacht-Transformationen zum Superhelden gelingen leider nur im Film, und selbst da muss man sich erst noch von einer genmanipulierten Spinne beissen lassen, um all die übernatürlichen Kräfte zu entwickeln. Schade Marmelade. Wäre ja auch zu schön gewesen…
Warum aber, halten wir Menschen so unerbitterlich an dieser Illusion fest?
Wir investieren täglich einen enormen Teil unsere Gedankenkraft und wissen doch gleichzeitig, tief in uns drin, dass diese Gedankenspielereien nichts mehr als Wunschträume sind, Luftschlösser die verpuffen sobald wir aus unserem kleinen Tagtraum erwachen.
Wir kaufen uns überteuerte vielversprechende Abnehmprogramme, Bücher die in wenigen Tagen das versprechen, wozu andere Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte brauchen oder das neuste Klatschblatt mit „den 10 definitiven Tipps für die sofortige, perfekte Ausstrahlung“.
Es liegt wohl in der Natur des Menschen, bei minimalem Aufwand immer das Maximale zu wollen und das so schnell wie möglich.
„Eine Portion Selbstbewusstsein bitte, jetzt gleich wenn’s geht“.
Wir suchen nach der magischen Pille für unsere Probleme, nach dem Instant-Fix, der unser Leben über Nacht umkrempelt und wissen dabei doch ganz genau, dass so etwas nicht existiert, nicht existieren kann.
1) Jeder natürliche Wachstumsprozess braucht Zeit
2) Es gibt nichts anderes, als den natürlichen Prozess
Persönliches Wachstum ist ein langer und herausfordernder Prozess und jeder, der dir etwas anderes erzählen will, ist wahrscheinlich eher an deinem Geldbeutel interessiert als an deinem Wachstum.
Ich antworte auf jede E-Mail die ich bekomme. Oft fragen mich die Leute nach Tipps zu speziellen Situationen. Wenn ich ihnen dann schreibe, sie sollen Übung X für ein paar Tage machen oder ein paar Bücher zum Thema lesen antworten viele: „Danke für deine Tipps, aber hast du nicht noch einen anderen Tipp, einen schnelleren und nicht so aufwändigen?“.
Sie suchen nach der Abkürzung zum Glück, nach der magischen Pille, die all ihre Probleme wie durch einen Zauber bereinigt. Leider leider nur, gibt es die nicht.
Du kannst dir deinen Apfelbaum nicht herbeiwünschen. Du musst ihn grossziehen, wässern und pflegen, Tag für Tag.
Prozess vs. Ereignis
Wie gesagt, persönliches Wachstum ist ein andauernder Prozess und kein einmalig eintretendes Ereignis. Es hilft ungemein (und kann dich vor einigen Frustrationen bewahren), sich diese Perspektive immer vor Augen zu halten.
In diesem Spiel gibt es keine Transformation auf Knopfdruck. Nicht für dich, und nicht für niemand anders.
Der Zaubertrank, der deine Persönlichkeit einen Tag, kurz vor dem Vorstellungsgespräch/Date, um 180° dreht, existiert nicht.
Auf diesem Gebiet Fortschritte zu machen heißt, für lange Zeit mit dabei zu sein.
Wer nach dem schnellen Erfolg sucht, wird nicht fündig werden. Das gilt natürlich nicht nur für diesen Bereich, sondern auch für alle anderen Aspekte im Leben.
Deinen Charakter zu formen und alte Gewohnheiten los zu werden dauert. Hier in Dänemark sagt man „ting tar‘ tid“ was soviel heißt wie: „Dinge brauchen Zeit“.
Um eine reale Veränderung herbeizuführen, musst du kontinuierlich kleine Schritte machen, jeden Tag, sieben Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr. Nur so wirst du jemals grundlegend etwas an deinen Gewohnheiten und deiner Persönlichkeit verändern können.
Umgekehrt bedeutet das natürlich auch, dass dir der Prozess Spaß machen muss. Du musst dich aktiv dafür entscheiden, wirklich etwas verändern zu wollen und du musst bereit sein, einige Zeit dafür zu investieren. Denn eine Sache ist sicher:
Reales Wachstum kann nicht vorgetäuscht werden
Du kannst vielleicht so tun, als ob du „angekommen“ wärest und wenn du extrem gut drauf bist, wirst du dieses Level eine kleine Weile halten können. Am Ende wird dein selbstgebautes Kartenhaus aber wieder zusammenfallen und du wirst in dein altes Ich zurückfallen.

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Bewerte nichts
Was bringt uns diese offensichtliche Einsicht jetzt?
Sie hilft dir, die Dinge im richtigen Licht zu sehen.
Erst einmal musst du dir klipp und klar machen, dass Wachstum (Veränderung) Zeit braucht. Wenn du dir dessen bewusst bist, und damit meine ich, so richtig bewusst bist, so bewusst bist, dass es bei dir im Kopf „klick macht“, dann ist es leichter, sich auf diese Reise vorzubereiten und Niederschläge wegzustecken.
Du weißt dann, dass egal was passiert, es nur Pfosten am Wegesrand sind, Ereignisse in deinem Prozess zur persönlichen Entfaltung.
Egal welche neuen Erfahrungen du auf deinem Weg machst, sie sind nur Abschnitte auf deinem Weg und keine abschließenden Ziele. Denn dieser Weg hat kein Endziel. Persönliches Wachstum ist unbegrentzt.
Wenn du anfängst, dein Verhalten zu verändern, werden deine Mitmenschen wahrscheinlich erst mal misstrauisch reagieren. Sie sind dieses Verhalten von dir nicht gewohnt und wissen selber nicht genau, wie sie damit umgehen sollen.
Lass dich davon nicht einschüchtern und bewerte ihre Reaktionen nicht. Es ist ganz normal, dass deine Umwelt nun anders auf dich reagiert. Nimm sie einfach nur wahr. Klassifiziere nichts als gut oder schlecht, beobachte nur und gehe deinen Weg weiter, einen Schritt nach dem anderen.
Das Problem mit Bewertungen ist, dass man sich selber schnell in den siebten Himmel loben kann nur um sich am nächsten Tag laufend runterzumachen, weil man nicht an den Vortag anknüpfen kann. Das ist die klassische Falle derjenigen, die Ereignisse bewerten anstatt den Prozess als Ganzes zu betrachten.
Wenn du deinen Vortrag vermasselst oder dein Vorstellungsgespräch nicht ganz optimal verläuft, obwohl du dich so lange darauf vorbereitet hast, bewerte diese Ereignisse nicht. Sehe sie als Teilerfahrungen in deinem Prozess auf deinem Weg zur Selbstverwirklichung.
Fazit
Wenn du Früchte ernten willst, dann musst du erst mal den Samen für deinen Baum sähen und ihn täglich giessen und dich um ihn kümmern. Du kannst nicht eine Woche jeden Tag gießen und dann zwei Wochen nichts mehr tun und fauler Lenz spielen.
Dein kleines Pflänzchen wird austrocknen wenn du nicht jeden Tag etwas dafür tust. Umso intensiver du dich aber kümmerst, umso stärker wird es werden und mit der Zeit wird es stärker und stärker werden und du wirst immer weniger gießen müssen.
Irgendwann wird es zu einem Baum heranwachsen und deine ersehnten Früchte tragen. Aber bis dahin gilt, bleib dran, geh kleine Schritte, kontinuierlich, Tag für Tag, bewerte nichts, schau nach vorn und zieh dein Ding durch unabhängig davon, was andere sagen.
Du weisst am besten, was richtig für dich ist.
Pflege deinen Baum, täglich, und ernte die Früchte deiner Arbeit, sobald er reif genug dafür ist, diese zu tragen.
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Artikel zuletzt aktualisiert am 07.08.2018

