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wannabe girl
14. Juli 2012
19:39
Mitglied
Forum Posts: 3
Member Since:
14. Juli 2012
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Hallo liebe Logbuchschreiber 🙂

Nach langem Zögern schließe ich mich euch an und versuche so meine Motivation ein wenig zu pushen.

 

Da dies mein erster Eintrag ist, möchte ich ein klein wenig erzählen wie es in meinem Leben so aussieht.

Ich bin Mitte/Ende 20, stecke mitten im Studium und lebe auf dem Land zusammen mit meiner Mutter und meiner Schwester. Viele Erlebnisse aus der Kindheit und Jugend haben dazu geführt dass ich heute unter einem so großen Leidensdruck stehe.

Es war eigentlich fast alles mit dabei: ernstere Krankheiten, überbehütende Mutter, immenser Leistungsdruck, körperliche & seelische Misshandlung im Jugendalter, Tod sehr nahestehender Personen/Familienmitglieder, schulisches Versagen, etc.

Knapp zusammengefasst war es einfach so, dass ich ein Kind war um das man sich ständig Sorgen machen musste (was leider zu viel Wut seitens meiner Eltern führte). Ich war häufig krank und wurde (anfangs grundlos) sehr streng überwacht & zum lernen gezwungen, was zu totaler Verweigerung führte. (Ich muss gestehen dass ich seit der 3. Klasse Hausaufgaben nur noch sporadisch erledigte.) Das hatte natürlich irgendwann zur Folge dass ich oft die Klassen & Schulen wechselte und wiederholt durchfiel. Meine Eltern setzten mich sehr unter Druck, Misshandlungen waren an der Tagesordnung und ich bekam furchtbare Angst vor ihnen. Depressionen, schlimme Selbstzweifel und Selbstmordgedanken folgten.

Nach mehreren erzwungenen (und erfolglosen) Therapien & Beratungsgesprächen, bei denen zeitweise auch meine Intelligenz angezweifelt wurde (vielleicht ist sie einfach nur zu dumm für die Schule?) – um dann durch einen Test mehr als widerlegt zu werden – naja auf jeden Fall nach dem ganzen Chaos hielten meine Eltern es für eine gute Idee mich in eine Kinder- & Jugendpsychiatrie einweisen zu lassen um so einen Grund für die Schule zu haben mich doch noch das Schuljahr bestehen zu lassen. Das klappte zwar, hatte aber zur Folge dass ich nun endgültig in die Depression abstürzte und anfing mich selbst zu verletzten (naja ihr wisst schon – Unterarme … und so). Rückblickend muss ich zwar einerseits sagen "wie dämlich kann man sein – die scheiß Narben verunstalten mich und machen mir so viele Probleme", aber andererseits hat mir das ganze damals geholfen mich am Leben zu halten. So komisch sich das anhört, aber in dieser Zeit hatte ich Abstand von allem und mein ganzes Denken hat sich geändert. Es war immer noch nicht gut, aber es war besser als vorher. Ich wollte zwar immer noch sterben, aber mir war klar dass ich es nie tun könnte, weil ich nun ein Ziel hatte. Ich wollte mich um meine Schwester kümmern, verhindern dass meine Eltern sie so kaputt machen wie sie es mit mir getan haben. Gleichzeitig wollte ich leiden, ich war überzeugt mich selbst bestrafen zu müssen für das was ich meinen Eltern angetan hatte, mein Versagen in der Schule etc. Es gab noch einige weitere Tiefpunkte mit "Ausflügen" in Essstörungen und anderen selbstverletzenden Dingen, aber nach ca. einem Jahr hatte ich es geschafft das völlig hinter mir zu lassen. Mein Leben hatte sich völlig gewandelt: Die Misshandlungen stoppten, ich schaffte es schließlich über 1000 Umwege mein Abi zu bekommen, ein Studium anzufangen und ein relativ gutes Verhältnis zu meinen Eltern aufzubauen.

Es gab natürlich immer wieder mal Rückschläge, aber im großen und ganzen lief es besser als Früher. Das Problem dabei ist, dass ich immer noch tief in mir drin das Gefühl habe leiden zu müssen. Ich habe das Gefühl dass es mir nicht wirklich zusteht glücklich zu sein, weil ich anderen so viele Umstände bereite. (Unterstützung beim Studium, die "Schande" für meine Mum weil ich in dem Alter immer noch studiere, etc.) Ich versuche seit Jahren alles um ein guter Mensch zu sein, ich helfe zu Hause wo ich kann, ich versuche immer allen eine Freude zu machen & ich versuche so wenig Ansprüche wie möglich zu stellen. Leider wird das aber mittlerweile nicht mehr anerkannt und für selbstverständlich genommen. Auch nimmt es in Bezug auf meine Schwester schon fast Helfersyndrom Züge an: ich verhalte mich fast wie eine Mutter, tue alles für sie und versuche oft etwas mit ihr zu unternehmen. Einerseits ist das ok, weil meine Mutter leider nicht wirklich für uns da ist /war, aber andererseits glaube ich dass ich sie zu sehr einenge. Das Problem ist eben, dass sie eigentlich alles ist was von meiner Familie übrig ist. Mein Vater und meine Oma (eigentlich wie eine Mutter für mich) sind mittlerweile verstorben (worunter ich sehr leide & was ich noch gar nicht verarbeitet habe). Es sind jetzt nur noch weitläufigere Verwandte übrig. Und meine Mutter die scheinbar nur noch an irgendwelche Männer denkt (was mich auch sehr belastet).

Mein Leben besteht im Moment aus Uni und zu Hause sitzen. Ich bin ziemlich einsam, wobei ich aber auch relativ gut damit klar komme. Trotzdem wären ein paar Freunde nicht schlecht 😉 Ich gehe nicht aus (mit wem auch?) und ich habe keinen festen Freund. Männer kennenzulernen fällt mir extrem schwer, weil ich immer Angst habe dass sie sowieso enttäuscht von mir sein werden sobald sie mich besser kennen. Also wimmle ich sie sofort ab nachdem sie mich angesprochen haben. Einerseits möchte ich schon gerne einen Partner, andererseits macht es mir aber auch Angst bzw. bin ich es so sehr gewohnt mich nach niemandem richten zu müssen, dass ich gar nicht so recht weiß ob ich so eine richtige Beziehung führen könnte… Tollerweise setzt mich meine Mum zusätzlich unter Druck indem sie so tut als sei es mega peinlich dass ihre Tochter immer Single sei und in dem Alter keinen Mann bzw. Kinder habe. Ja es stimmt, in meinem angestrebten Beruf wird es so laufen, dass ich wohl frühestens mit Mitte 30 an Kinder denken kann. Aber ist das heutzutage wirklich so schlimm? Ich fühle mich dadurch so unter Druck gesetzt und richtig alt. Ich habe das Gefühl meine komplette Jugend verpasst zu haben (was irgendwie auch stimmt, ich bin fast nie ausgegangen, hatte keine Freunde, Beziehungen, etc.) Hinzukommt dass ich leider (?) aussehe wie 20 und so ständig von Teenager Jungs angesprochen werde ^^ bzw. alle Mädls in der Uni (die viel jünger sind, da sie ja nicht so lange zum Abi gebraucht haben etc.) immer ganz erschrocken reagieren "was?? du bist schon sooo alt?? Hätte ich jetzt nicht gedacht!" Damit habe ich leider echt ein Problem. Ich fühle mich dadurch noch älter und auch irgendwie nicht zugehörig zu den anderen. Ich gehe im Grunde durch die Uni und denke ständig "du gehörst da nicht dazu". Ich fühle mich machmal echt als wär ich in der Midlife Crisis ;(

Also was ich sagen will… ich habe es geschafft mich karrieremäßig einigermaßen auf einen guten Weg zu bringen, dafür liegt aber mein Leben seit ca. 12 Jahren auf Eis. Ich fühle mich wie in einem Käfig aus dem ich nicht raus kann. Und das Schlimmste: Ich habe ihn selbst gebaut. Ich habe über das Ganze "Du musst es wieder gut machen & dafür leiden" vergessen wie es ist zu leben. Ich habe keine Freunde, keine Beziehungen und kein Selbstbewusstsein.

Das alles hat sich mittlerweile so sehr gesteigert, dass ich vor vielen alltäglichen Dingen Angst habe und ein starkes Vermeidungsverhalten zeige. Ich habe Angst im Mittelpunkt zu stehen, weil ich fürchte von anderen negativ bewertet zu werden. Ich fühle mich oft hässlich und vergleiche mich ständig mit anderen. Ich traue mich kaum etwas zu sagen wenn mehrere Personen dabei sind. Und mittlerweile traue ich mich nicht einmal so Kleinigkeiten wie zb. ein ausgefalleneres Makeup, weil ich sogar bei meiner Familie Angst habe kritisiert zu werden. In der Uni schaffe ich es oft gar nicht erst in Seminare zu gehen, weil ich solche Angst habe andere könnten mich für dumm oder hässlich halten (-> Vermeidungsverhalten).

Ich weiß dass diese Ängste im Grunde alle darauf basieren dass ich lernen muss die Meinung anderer über mich selbst zu ignorieren. Es ist ihre Sache und geht mich nichts an. Aber das ist ein langer Weg und bedarf einiger Übung. Daher auch dieses Logbuch 🙂

Es fällt mir nur eben extrem schwer "wieder ins Leben zu finden". Ich stand fast 12 Jahre nur daneben und habe anderen dabei zugesehen wie sie leben, Partnerschaften eingehen, glücklich sind, etc. Ich bin nun endlich soweit dass ich erkannt habe dass ich das auch haben möchte. Und dass ich es irgendwie auch verdient habe. Es ist eben nur so schwer anzufangen. Wie so einige von euch lese ich schon seit Jahren Bücher, Blogs, etc. zum Thema Selbstbewusstsein, soziale Phobie, Depression, etc. Aber das Lesen allein bringt eben nicht wirklich viel. Man muss auch irgendwann einmal den ersten Schritt machen um Laufen zu lernen.

(Für alle die mir jetzt wieder mit "du brauchst ne Therapie" kommen wollen: Ich kann aus karierretechnischen Gründen keine machen & außerdem hat bis jetzt keine einzige geholfen. Also danke, aber nein danke. 😉 )

 

Meine Ziele (werden ergänzt sobald mir weitere einfallen):

- Selbstbewusster den Alltag meistern (sich trauen laut & deutlich seine Meinung zu sagen, auch vor mehreren Leuten reden können, keine Angst mehr Blickkontakt zu halten, nicht ständig denken alle Leute würden schlecht über mich denken bzw. über mich reden wenn sie mich sehen)

- Mehr Sicherheit in der Uni (Referate halten ohne Panik zu haben, zu Seminaren gehen obwohl man vielleicht Angst davor hat, sich auch mal melden, nicht immer davonlaufen, auch mal auf andere zugehen können)

- Selbstbewusster im Umgang mit anderen (akzeptieren dass manchen Menschen mich nicht mögen, sich über Komplimente freuen und nicht immer hinterfragen, zu sich selbst und seiner Meinung stehen auch wenn andere es nicht gut finden, lernen dass Kritik nicht automatisch bedeutet dass diese Menschen einen nicht mögen/lieben (->Familie), versuchen mehr zu vertrauen)

- Freundschaften & Partnerschaften aufbauen (sich bei alten Freunden / Bekannten melden – evtl. erst mal über Facebook & Handy ?, versuchen neue Bekanntschaften zu schließen & alte zu pflegen / wiederaufleben zu lassen, versuchen nicht jeden Annäherungsversuch sofort abzublocken – es ist nichts schlimmes dabei zu flirten – oder? 😉 )

- Selbstbild verbessern (lernen sich selbst zu akzeptieren – mit allen Fehlern, lernen zu sich selbst zu stehen & Kritik nicht persönlich zu nehmen, sich nicht mehr mit anderen vergleichen, lernen nicht mehr so auf Äußerlichkeiten fixiert zu sein, aufhören sich selbst die Schuld für DInge zu geben für die man nichts kann)

- die Vergangenheit ruhen lassen (Trauer zulassen ohne sich davon überwältigen zu lassen, akzeptieren dass man die Vergangenheit nicht mehr ändern kann, nicht mehr ständig an verletzende Dinge aus der Vergangenheit denken und sich so selbst wieder traurig zu machen, keine Vorwürfe und "was wäre wenn" Gedanken mehr wegen irgendwelcher Fehler von früher – das hilft niemandem weiter, versuchen los zu lassen)

- Allgemein: offener, fröhlicher und selbstsicherer werden. endlich aus meiner Passivität herauskommen. sich von anderen bzw. Misserfolgen so sehr runterziehen zu lassen. Anfangen mein eigenes Leben zu leben.

 

Puh, das war jetzt ganz schön viel Text. Aber es war mir wichtig das mal aufzuschreiben. (Und einige Probleme habe ich jetzt noch nicht mal angesprochen :-/) Die konkreten Pläne / Ideen zur Umsetzung folgen im nächsten Post. Wer ungerne viel Text liest sollte hier nicht mehr reingucken – ich werde sicher noch oft meine Gedanken & Gefühle niederschreiben. Gerade wenn sie mit der Vergangenheit zu tun haben, denn ich habe das Gefühl dass ich das alles so leichter verarbeiten kann…

 

Das Logbuchschreiben ist natürlich in erster Linie für mich selbst wichtig, dennoch freue ich mich über Kommentare 🙂 

 

PS.: Der Nickname ist übrigens absichtlich so gewählt: Einer meiner Exfreunde sagte hinter meinem Rücken ich sei ein "wannabe girl" - eine die immer davon träumt was sie alles wollen würde und so, es aber nie bekommen würde - ein Möchtegern eben. Nicht sehr nett 🙁 Aber mal sehen ob man nicht doch ein paar Träume wahr machen kann 🙂

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